Elektrifizierung als Schlüssel zur Dekarbonisierung
EBNER | MICHAEL SCHIESSER, EVP Customer & Sites Services
Elektrifizierung als Schlüssel zur Dekarbonisierung
EBNER und AMAG setzen neue Maßstäbe für die Dekarbonisierung der Aluminiumindustrie.
Die Aluminiumindustrie steht weltweit vor der Herausforderung, ihre Produktionsprozesse nachhaltiger und klimafreundlicher zu gestalten. Ein zentraler Hebel dieser Transformation ist die Dekarbonisierung energieintensiver Wärmebehandlungsprozesse. Gemeinsam mit der AMAG Austria Metall AG in Ranshofen treibt EBNER diesen Wandel aktiv voran und zeigt eindrucksvoll, wie bestehende Wärmebehandlungsanlagen fit für eine CO2-arme Zukunft gemacht werden können.
KLIMANEUTRALITÄT ALS LANGFRISTIGES ZIEL
AMAG verfolgt mit ihrer langfristigen Dekarbonisierungsstrategie das Ziel, den Standort Ranshofen bis 2050 klimaneutral zu betreiben. Im Mittelpunkt stehen die effiziente Nutzung von Recyclingmaterialien, die kontinuierliche Steigerung der Energieeffizienz sowie der schrittweise Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Alternativen. Bereits heute zählt der Standort aufgrund seines hohen Recyclinganteils und des Einsatzes erneuerbarer elektrischer Energie zu einer der CO2-effizientesten Aluminiumproduktionsstätten Europas.
Vor diesem Hintergrund wurde EBNER bereits 2021 mit umfangreichen Machbarkeitsstudien zur Dekarbonisierung bestehender Wärmebehandlungsanlagen beauftragt. Ziel war es, unterschiedliche Beheizungstechnologien hinsichtlich technischer Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz und CO2-Reduktionspotenzial zu bewerten. Auf Basis dieser Untersuchungen fiel die Entscheidung, zwei bestehende gasbeheizte Einzelkammeröfen im Walzwerk von AMAG auf eine elektrische Beheizung umzurüsten.
ZWEI HEIZKONZEPTE IM PRAXISTEST
Die technische Herausforderung bestand darin, die neuen Heizsysteme in die bestehende Ofeninfrastruktur zu integrieren, ohne die bewährten Prozessbedingungen zu verändern. Hierfür wurden zwei unterschiedliche elektrische Heizkonzepte installiert und unter realen Produktionsbedingungen getestet: eine Rohrheizung sowie das von EBNER entwickelte Plattenheizungssystem.
Nach erfolgreicher Montage und Inbetriebnahme wurden umfangreiche Temperaturgleichmäßigkeitsmessungen durchgeführt, um die thermische Leistungsfähigkeit der elektrischen Beheizung nachzuweisen. Die Ergebnisse bestätigten die hohen Erwartungen: Beide Heizsysteme erreichten eine ausgezeichnete Temperaturhomogenität und erfüllten die strengen Anforderungen der Luftfahrtnormen AMS 2750 und AMS 2772. Gleichzeitig zeigte sich, dass die elektrische Beheizung eine schnellere Erwärmung sowie eine deutlich präzisere Temperaturregelung ermöglicht, wodurch die hohe Produktqualität unverändert gewährleistet bleibt.
BIS ZU 29 PROZENT WENIGER ENERGIEVERBRAUCH
Besonders bemerkenswert sind die erzielten Effizienz- und Nachhaltigkeitseffekte. Die elektrischen Heizsysteme reduzieren den Energieverbrauch gegenüber der bisherigen Erdgasbeheizung um durchschnittlich 26 bis 29 Prozent. Darüber hinaus können pro Ofen jährlich rund 100 Tonnen CO2 eingespart werden. Noch bedeutender ist jedoch das langfristige Potenzial: Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse schaffen die Grundlage für zukünftige Elektrifizierungsmaßnahmen, die eine Reduktion der CO2-Emissionen um bis zu 45.000 Tonnen pro Jahr ermöglichen könnten. Dies würde rund 40 bis 50 Prozent der Scope-1-Emissionen (Stand 2024) des Standorts Ranshofen entsprechen.
PRAXISTAUGLICHE LÖSUNG FÜR BESTEHENDE
ANLAGEN
Die Umrüstung zeigt beispielhaft, wie bestehende Industrieanlagen durch innovative Technologien erfolgreich modernisiert werden können. Das von EBNER entwickelte Plattenheizungssystem bietet dabei einen entscheidenden Vorteil: Es lässt sich in vielen Fällen mit überschaubarem Aufwand in bestehende Anlagen integrieren und eröffnet Kunden einen praktikablen Weg zur Dekarbonisierung ihrer Produktionsprozesse.
Gleichzeitig verfolgt AMAG bewusst einen technologieoffenen Ansatz. Neben der Elektrifizierung werden auch alternative Energieträger wie Wasserstoff untersucht. Durch gezielte Pilotprojekte entsteht eine fundierte Wissensbasis, die eine schrittweise und wirtschaftlich tragfähige Transformation der Produktion ermöglicht, ohne die laufende Fertigung oder die hohe Produktqualität zu beeinträchtigen.
TECHNOLOGIE FÜR EINE KLIMAFREUNDLICHERE INDUSTRIE
Das gemeinsame Projekt von EBNER und AMAG verdeutlicht eindrucksvoll, dass Dekarbonisierung, industrielle Effizienz und höchste Qualitätsanforderungen kein Widerspruch sein müssen. Vielmehr zeigt die erfolgreiche Umrüstung der Wärmebehandlungsöfen, wie innovative Technologien bereits heute dazu beitragen können, die Industrie nachhaltiger zu gestalten. EBNER leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Transformation energieintensiver Produktionsprozesse und unterstützt seine Kunden auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Zukunft.


