Die nächsten Schritte in der Aluminium-Wärmebehandlung

/ Innovation & Technologie

Aluminiumplatten

EBNER Industrieofenbau| Markus Gangl, Senior Product Manager Aluminium

Digital, nachhaltig, zukunftsfit.

Die nächsten Schritte in der Aluminium-Wärmebehandlung

Die Industrie befindet sich im Umbruch: digitale Prozessmodelle, Wasserstoff als Energieträger und CO₂-neutrale Produktion sind zentrale Themen. Im dritten Teil unserer Interviewreihe erklärt Markus Gangl, Senior Product Manager Aluminium, wie EBNER diese Zukunft schon heute gestaltet.

Mit VISUAL FURNACES® und TREATperfect bietet EBNER digitale Prozessmodelle an. Wie unterstützen diese Systeme Kunden im Alltag?

Das TREATperfect Modul ist ein intelligentes Berechnungs- und Optimierungssystem für Wärmebehandlungsprozesse. Es ermöglicht eine präzise Berechnung der Materialtemperatur, sodass die Wärmebehandlung exakt den Spezifikationen entspricht. Bei unterschiedlichen Ofentypen können damit klassische, zeit- und kostenintensive Thermoelementmessungen der Materialtemperatur häufig ersetzt werden.

Ein zentraler Vorteil ist die Prozessoptimierung – insbesondere die Reduktion oder vollständige Eliminierung unnötiger Sicherheitszeiten. Gerade dort, wo keine direkte Materialtemperaturmessung möglich ist (z. B. in kontinuierlichen Anlagen oder Homogenisierungsanlagen für Walzblöcke, bei denen nur die Oberflächentemperatur gemessen wird), liefert das Berechnungsmodell genaue Temperaturwerte im gesamten Materialquerschnitt.

So lassen sich zusätzliche Sicherheitszeiten bei Aufheiz- und Haltephasen deutlich verkürzen oder ganz vermeiden. Darüber hinaus unterstützt TREATperfect die Offline-Planung, indem Sollwerte und Glühdauer vorab berechnet werden. Das verringert Stillstandszeiten und erhöht die Planungssicherheit. Gleichzeitig optimiert das Modul den Prozess online in Echtzeit, was zu stabilen Ofenparametern, konstanter Produktqualität und einem effizienteren Energieeinsatz führt.

Insgesamt steigert TREATperfect die Produktqualität, verkürzt Prozesszeiten, senkt Kosten und lässt sich flexibel in bestehende Systeme integrieren.

Welche Rolle spielt Automatisierung für Sicherheit und Effizienz im Produktionsbetrieb?

Automatisierung erhöht grundsätzlich Sicherheit und Effizienz. Durch den hohen Automatisierungsgrad unserer Anlagen wird das Risiko von Fehlbedienungen und Arbeitsunfällen minimiert. Gleichzeitig sorgt Automatisierung für eine gleichbleibend hohe Prozessqualität, da Parameter automatisch überwacht und angepasst werden. Das führt zu kürzeren Durchlaufzeiten und optimiertem Energieeinsatz.

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Welche Lösungen bietet EBNER, um CO-neutrale Produktion zu ermöglichen?

Wir sind stolz darauf, alle EBNER Aluminium Wärmebehandlungsanlagen auch lokal CO2 frei, elektrisch beheizt, anbieten zu können. Außerdem können ausgewählte Ofentypen mit unserem ECOBURN H2 Flex Brenner flexibel mit Erdgas oder Wasserstoff befeuert werden. Ein weiters Highlight im Bereich Nachhaltigkeit ist unser neu entwickelter HICON® Plattenheizer. Hierbei handelt es sich um ein innovatives elektrisches Beheizungssystem für Konvektionsöfen mit hoher Energiedichte bei geringem Druckverlust. Dieses System ist außerdem sehr flexibel und eignet sich auch perfekt für Umbauten bestehender Anlagen von Gas- auf E-Heizung.   

Können Wärmerückgewinnungssysteme wie Heat Recovery oder Rekuperatoren die Energieeffizienz entscheidend verbessern?

Ja, Wärmerückgewinnungssysteme wie Heat-Recovery-Einheiten oder Rekuperatoren können die Energieeffizienz in industriellen Prozessen erheblich steigern. Der Hauptvorteil liegt darin, dass heiße Abgase oder Prozesswärme nicht ungenutzt an die Umgebung abgegeben werden, sondern zur Vorwärmung von Verbrennungsluft oder anderen Medien genutzt werden. Dadurch sinkt der Primärenergiebedarf deutlich, was in der Praxis, je nach Ausgangsbasis, Einsparungen von 10 bis 30 % ermöglicht.

Unsere hocheffizienten Rekuperatoren zeichnen sich durch einen bereits sehr hohen feuerungstechnischen Wirkungsgrad aus. Die Abwärme wird im eigenen Prozess maximal genutzt, sodass der Energieeinsatz optimiert wird. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die verbleibende Restwärme gezielt für andere Prozesse innerhalb des Werks zu verwenden, was die Gesamteffizienz weiter steigert, und zusätzliche Einsparpotenziale eröffnet. Diese Nutzung der Prozessabwärme unterstützt nicht nur die Reduktion des Primärenergiebedarfs, sondern trägt auch maßgeblich zur Dekarbonisierung und zur Erreichung ambitionierter Nachhaltigkeitsziele bei.

Markus Gangl

Viele sprechen von Wasserstoff als Energieträger. Wie realistisch ist es, dass er in der Ofentechnologie bald eine Hauptrolle spielen wird?

Wasserstoff wird oft als Energieträger der Zukunft bezeichnet, und das hat gute Gründe: Er ist CO₂-neutral bei der Verbrennung und kann fossile Brennstoffe perspektivisch ersetzen. Der Einsatz von Wasserstoff zur Beheizung von Wärmebehandlungsöfen wird allerdings derzeit kritisch betrachtet. Hauptgrund ist die eingeschränkte Verfügbarkeit von Wasserstoff, die eine flächendeckende Nutzung erschwert. Hinzu kommt, dass andere energieintensive Prozesse in der Industrie ebenfalls große Mengen Wasserstoff benötigen würden, was den Wettbewerb um diese Ressource zusätzlich verschärft.

EBNER ist auf diese Entwicklung vorbereitet: Für bestimmte Ofentypen stehen bereits H₂-Brenner zur Verfügung. Damit ist eine technische Grundlage geschaffen, um bei entsprechender Versorgungslage Wasserstoff als Brennstoff einzusetzen. Dennoch bleibt die Frage offen, ob Wasserstoff in der Praxis eine realistische Alternative für die Wärmebehandlung darstellt.

Zum Abschluss: Wohin entwickelt sich die Aluminium-Wärmebehandlung in den nächsten 10–15 Jahren?

Die Aluminium-Wärmebehandlung wird sich in den nächsten 10 bis 15 Jahren stark in Richtung Digitalisierung, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei eine noch genauere Prozessführung, der verstärkte Einsatz von Simulations- und Optimierungstools, der Umstieg auf emissionsärmere Energieträger sowie eine konsequente Reduktion von Energieverbrauch und CO₂-Emissionen über den gesamten Anlagenlebenszyklus.

EBNER ist auf diese Entwicklungen nicht nur vorbereitet, sondern gestaltet sie aktiv mit. Seit Jahren arbeiten wir an digitalen Systemen und intelligenten Modulen, die Prozesse langfristig zukunftsfit machen und unsere Kunden bei der Erreichung ihrer Umwelt- und Klimaziele unterstützen. Dazu zählen beispielsweise Lösungen zur datenbasierten Prozessoptimierung, zur Effizienzsteigerung und der Umstieg auf alternative Energieträger. So entstehen Wärmbehandlungssysteme, die sowohl den wirtschaftlichen Anforderungen der Industrie als auch den zunehmend anspruchsvollen Umweltzielen gerecht werden.

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